Rottstraße5Theater

Tag 8 – Festival n.a.t.u.r.

Am vorletzten und achten Tag im Festival-Wahnsinn und in der n.a.t.u.r. ließen wir es etwas ruhiger angehen – Alle Augen waren schließlich schon auf den großen Tag 9 und VeLo-ve Bochum gerichtet. Ein spannender Vortrag über den Klimaschutz und seine Aufgaben und die Theater-Premiere Herz der Finsternis machten aber auch diesen Festival-Tag unvergesslich.

 

Vortrag Klimaschutz – Eine Aufgabe für Politik, Wirtschaft und BürgerInnen

Wir trafen uns am frühen Abend in der gemütlichen Butterbrotbar am Hans-Ehrenberg-Platz und darum ging’s:

Auf den verschiedenen Politikebenen gibt es eine verwirrende Anzahl von Klimaschutzzielen. Allen gemeinsam ist, dass Politiker ihr jeweiliges Ziel für ambitioniert halten. Welche Reduktionsziele sind aber notwendig? Die Klimaforschung hat hierzu klare Aussagen erarbeitet und diese wurden im Vortrag von unserem Referenten und n.a.t.u.r.-Freund Dr. Ingo Franke vom Arbeitskreis Umweltschutz Bochum erläutert. Franke erläuterte, dass wenn diese Ziele erreicht werden sollen, wir alle handeln und unsere Lebensstile in Richtung Nachhaltigkeit ändern müssen. Dies ist laut Franke ein absolutes „Muss“, wenn wir dramatisch negative Wirtschaftsprobleme und den Zusammenbruch ganzer Ökosysteme verhindern wollen. An lebhaften Beispielen erfuhren wir ganz praktisch und anschaulich wie wir effektiv handeln können und dabei auch unsere Lebensqualität steigern. Ein toller Vortrag von Ingo Franke, der uns auch noch im Nachklang lange in Ohr & Gedächtnis bleiben wird und zum Nachdenken anregt.

 

Theater Premiere: Rottstraße5-Theater Herz der Finsternis

Weiter ging es am Abend im Rottstraße5-Theater mit der n.a.t.u.r.-Premiere von “Herz der Finsternis”. Viele von uns kennen Joseph Conrads Herz der Finsternis, ohne es zu wissen. Francis Ford Coppolas bahnbrechendes Filmmeisterwerk Apocalypse Now basiert – nicht untreu – auf der Vorlage des polnischen, auf Englisch schreibenden Autors. Nicht in Vietnam, sondern im tiefsten Afrika, zur tiefsten Kolonialzeit, muss Marlowe den Taten des gefürchteten Stationsleiters Kurtz aufspüren. Je tiefer Marlowe in die Wildnis kehrt, desto mehr läuft er Gefahr, alles Menschliche hinter sich zu lassen.

Die Inszenierung von Regisseur Alexander Ritter ist düster gehalten – und zwar so düster, dass als der einzige wirkliche komische Moment auf der Bühne geschieht, dem Publikum das Lachen im Halse stecken bleibt. „Herz der Finsternis“ ist von einem entspannten Theaterabend weit entfernt. Regisseur Ritter und seine Schauspieler verlangen dem Publikum einiges ab. Durchhaltevermögen, verquere Empathie und Nervenstärke wurden an diesem unorthodoxen Theaterabend jedem Theatergänger abverlangt.

Das Rottstraße5-Theater wirkt auch wieder einmal als grandiose statische Bühne, die lediglich mit Lichteffekten, Sounds und den Worten des Romans gespeist wird und damit wunderbar auskommt.Mehr braucht es an diesem Abend nicht. Die Romanvorlage in der Theater-Katakombe unter den Bahngleisen und die Stimmung im Raum erzeugen eine ganz eigene Magie.

 

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Um bei so einem reduzierten Konzept dennoch das Theaterherz schlagen zu hören, braucht es gute Schauspieler. “Herz der Finsternis” hat sie. Matthias Hecht und Mark Tumba glänzen in ihren Rollen und stellen den seelischen und körperlichen Untergang leibhaftig dar. Ein begeistertes Publikum war die Folge!

 

Wir halten fest: Das Rottstraße5-Theater hat schon manche starke Inszenierung gesehen, aber die n.a.t.u.r.-Premiere “Herz der Finsternis” gehört sicherlich zu den stärksten der letzten Jahre!