Joscha

Unser “8 mal 8”-Interview mit Joscha Hendricksen

Künstler, Kurator oder kunstpolitischer Aktivist – Genau zu definieren was Joscha Hendricksen macht und welche Rolle er beim Festival n.a.t.u.r. spielt, ist gar nicht so einfach zu erklären. Wir versuchen Licht ins Dunkle zu bringen und stellen euch in der vierten Ausgabe von „8 mal 8“ Joscha vor.

Joscha tritt in seinen extrovertierten und anti-autoritären Perfomances als avantgardistischer Vocalist, Kaberettist sowie als Komponist auf. Zudem ist Joscha Teil und Moderator von Netzwerk X. Das Netzwerk X ist 2011 angetreten, um die Zustände im Kunst- und Kulturbetrieb im Ruhrgebiert zu verbessern. Das Projekt umfasst beispielsweise die Planung und Durchführung von Aktionen zur Erschließung von Freiräumen anhand von kunstpolitischen Aktionen.

Unser langjähriger Festivalfreund Joscha deckt in unserer Interview-Reihe „8 mal 8“  die Festival-Sparte Netzwerk & kunstpolitische Aktion im öffentlichen, urbanen Raum ab.

Joscha, mit welchen gesellschaftlichen und politischen Problemen hast du dich in den letzten Wochen beschäftigt und welche lassen dich nicht zur Ruhe kommen?

Das Verhältnis zwischen den Menschen und Institutionen. Zwischen Staat und Gesellschaft. Die Reichweite des eigenen Handelns und den Ansprüchen, die man an sich selbst stellt. Mich treibt folgende Frage rum: Welche Rolle spielt Kunst, Kommunikation und Aktivismus in unserem demokratischen Informationsaustausch und Zusammenleben? Dabei geht es natürlich immer um die Entwicklung unserer Gesellschaft. Und natürlich nicht zuletzt die Themen Flucht, Vertreibung und Krieg. Diese vielfältigen persönlichen und gesellschaftlichen Themen haben mich in letzter Zeit bewegt.

 

Das sind auf jeden Fall viele Dinge, die dich beschäftigen. Reduzieren wir es auf eine Thematik: Was würdest du als dein Schlüsselerlebnis in letzter Zeit bezeichnen?

In Essen wird zur Zeit darüber diskutiert, ob wir ein selbstverwaltetes Refugee Welcome-Zentrum aufbauen. Dabei sind die großen Fragen, wie sich das auf der Verwaltungsebene und auf der politischen Ebene überhaupt umsetzen lässt. Das ist natürlich auch ein politischer Beitrag.

 

Joscha, wie definierst Du Kunst?

Kunst zu machen setzt für mich an der Stelle an, an der es sein muss und ich mich nicht mehr anders ausdrücken kann. Kunst ist für mich immer eine Form der Ästhetik und ein Umgang mit dieser.

 

Was motiviert dich Kunst zu machen und was willst du mit deiner Kunst erreichen?

Mich motivieren die Menschen. Letztlich ist es auch eine Sehnsucht etwas auf die Bühne zu bringen, was meiner Meinung nach fehlt und was ich selbst gerne sehen würde. Ich will einen Raum schaffen für Kunstformen, die im Mainstream kaum Platz finden, Nischen bedienen und eine spezifisch-konsequente Form von Kunst darstellen.

 

Vervollständige folgenden Satz: Das Festival n.a.t.u.r. ist für mich…

…ein interessanter Versuch, Kunst mit verschiedenen Organisationen und Strukturen zu vermischen und etwas zu gestalten – und nicht zuletzt ein lustiges Festival!

 

Was macht das Festival n.a.t.u.r. für dich so spannend und worauf freust du dich bei der diesjährigen Ausgabe besonders?

Ich freue mich, ein Teil des Festivals zu sein. Außerdem hoffe ich viele interessante Gespräche und einen Austausch zu führen. Vielleicht kommen auch kritische Diskussionen zustande, welche ich auch künstlerisch umsetzen kann. Wir nähern uns gemeinsam und voller Vorfreude dem Gegenstand: Festival n.a.t.u.r. 2015.

 

Schauplatz des Festivals ist Bochum. Hast du einen speziellen Lieblingsort in unserer Stadt?

Ich habe lange in Bochum gewohnt und mein Lieblingsort ist der Stadtpark in Bochum. Der Stadtpark ist einfach wunderschön.

 

Was macht das Ruhrgebiet für dich aus?

Meine vielen Freunde! Es ist für mich immer besonders spannend hier zu sein, da diese vielen persönlichen Kontakte mir mein Künstlerdasein und meine Projekte enorm erleichtern. Das Ruhrgebiet ist ein spannender Spielort!

Wer Joscha und seine Performance einmal live erleben möchte: Von Montag dem 28.9. bis Mittwoch den 30.9. lädt das Netzwerk X ganztägig in die Rottstr5Kunsthallen. Als Büro, Kontaktzentrum, Lesehalle und Arbeitsraum bieten die Kunsthallen in diesen Tagen Möglichkeit zum Austausch, Kennenlernen, Essen und Mitmachen. Als Gastgeber steht Joscha der gesamten Öffnungszeit Rede und Antwort. Besucht ihn! Das Programm für die Tage findet ihr hier:

Tag 1

Tag 2

Tag 3