Lena

Unser “8 mal 8”-Interview mit Lena Tempich

Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen. Dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe könnte auch von unserer aktuellen Interview-Partnerin stammen. Im dritten Teil unserer Interview-Serie „8 mal 8“ stellen wir euch die Künstlerin Lena Tempich vor. Lena wohnt seit sechs Jahren in Bochum, ist Figurenspielerin, (Sand-)Bildhauerin und ausgebildet in somatischer Bewegungskunst. Zudem arbeitet Lena als Performerin und gibt Workshops im Bereich Tanz- und Bewegungstheater.

Ihre Performance Lokal Global (27. September ab 16 Uhr im Freibad) beim Festival n.a.t.u.r ist ein Bürgerprojekt von Bürgern für Bürger! Das Konzept des Abends sieht vor, dass Künstler unterschiedlicher Disziplinen den Abend zusammen performativ gestalten. Bisher fand der Lokal Global-Abend vier Mal an verschiedene Orten in Bochum statt. Die kompanie liaison à faire, Teil der freien Theater- und Performanceszene des Ruhrgebiets, ist der Gastgeber des Abends. Jeder Abend ist einzigartig und nicht wiederholbar. Improvisation,  Partizipation und Interdisziplinäres sind die spannenden Zutaten, aus denen dieser Performance-Abend gebacken wird.

Lena deckt in unserer Interview-Reihe natürlich die Festival-Sparte Kunst ab. Wir führten mit Lena ein Interview nach allen Regeln der Kunst.

Lena, welches gesellschaftliche Thema hat dich in den letzten Wochen bewegt?

Am meisten bewegt hat mich das Thema Migration. Die Thematik ist natürlich gerade sehr aktuell, aber ich habe mich auch schon vorher stark dafür interessiert. Besonders mit der Frage, wie wir mit dieser globalen Situation und unserer Verantwortung als Gesellschaft umgehen. Das sind auch Fragen und Anregungen, mit denen ich mich bei Lokal Global beschäftige. Bei Lokal Global greifen wir das auf einer kleineren Ebene auf und versuchen etwas politisch, gesellschaftlich in Verbindung mit Kunst zu aktivieren.

 

Was würdest du als dein Schlüsselerlebnis in letzter Zeit bezeichnen?

Ich erinnere mich an einen Moment in einer Theaterprobe: Ein Teil der internationalen Gruppe hat sich auf Französisch unterhalten und die restliche Gruppe hat nichts verstanden und fühlte sich für eine bestimmte Zeit ausgegrenzt. Wenn man das auf eine globale Ebene emporhebt, dann muss man sich zwangsläufig fragen: Wie können wir erreichen, dass wir die Globalisierung miteinander schaffen und nicht gegeneinander, sodass sich am Ende keiner ausgegrenzt fühlt. Wie kann die Situation entstehen, dass wir zusammen an einem Strang ziehen, trotz unterschiedlicher Sprachen und Kulturen. Das ist eine Herausforderung für alle. Letztlich geht es darum, ein Miteinander zu schaffen.

 

Lena, was erwartet die Menschen, die dich und deine Kunst-Performance noch nicht kennen?

Es gibt zwei verschiedene Aspekte. Der eine steckt schon im Namen der Veranstaltungsreihe: Lokal Global. Das heißt: Es gibt metaphorisch gesehen kein draußen und kein drinnen, da jeder Teil des Ganzen ist. Der Zuschauer findet nicht diese klassische Bühnensituation vor. Anhand von performativen Strategien und Experimenten ist der Zuschauer in Bewegung und mitten im Geschehen. Das spiegelt sich in der Kunst-Performance wieder. Der zweite Aspekt ist, mit Improvisation zu arbeiten, verschiedene Akteure aus verschiedenen Disziplinen kommen zusammen und gestalten etwas gemeinsam allein das bezieht das Publikum schon mit ein, weil es Teil des Moments ist, indem etwas entsteht. Improvisation ist letztlich eine Praxis.

 

Was motiviert dich?

Mich motiviert eine Art der Kommunikation und des Ausdrucks zu finden, die man so im normalen Leben und im Alltag nicht findet. Das ist eine Sehnsucht und ein inneres Bedürfnis von mir. Im Theater kommen Menschen zusammen, die auf anderen Ebenen miteinander in Kontakt treten, kommunizieren und etwas schaffen.

 

Vervollständige folgenden Satz: Das Festival n.a.t.u.r. ist für mich…

…eine schöne Möglichkeit Menschen aus der ganzen Stadt und den unterschiedlichsten Gebieten und Disziplinen zusammenzubringen. Ich sehe das Festival n.a.t.u.r. als Bürgerfest, das es anhand seines Spirits schafft Menschen zu aktivieren, zusammen zu kommen, sich zu zeigen. In einer Stimmung, die der Natur und den Menschen gegenüber freundlich gestimmt ist.

 

Was macht das Festival n.a.t.u.r. für dich so spannend und worauf freust du dich bei der diesjährigen Ausgabe besonders?

Ich bin ein Teil des großen VeLo-ve Aktionstag in der Pantoffelfabrik und hoffe, dass wir auch dort viele Gäste willkommen heißen dürfen. Außerdem freue ich mich sehr auf die Begrünungsaktion auf dem Tana-Schanzara-Platz.

 

Mal ehrlich: Hast du einen speziellen Lieblingsort in unserer Stadt?

Lange Zeit war das FKT (Freies Kunst Territorium) mein Lieblingsort in Bochum. Leider gibt es diesen Ort nicht mehr. Ich mag den Westpark und den Stadtpark sehr gerne. Zusätzlich hat man dort auch noch die Jahrhunderthalle. Ich bin gerade auf der Suche nach meinem neuen Lieblingsort in der Innenstadt.

 

Das Festival n.a.t.u.r. findet im Herzen des Ruhrgebiets, in Bochum, statt. Was macht das Ruhrgebiet für dich aus?

Mich fasziniert am Ruhrgebiet der Wandel, der hier zu spüren ist. Man hat das Gefühl, dass etwas passiert.  Auch wenn man das vielleicht nicht immer auf den ersten Blick sieht. Im Ruhrgebiet ist auf jeden Fall eine ganze Menge Potenzial vorhanden.

Wenn ihr Lena und ihre Performance Lokal Global erleben wollt, dann kommt am 27. September ab 16 Uhr ins Freibad. Mehr Informationen über die Veranstaltung und Lenas’ Performance findet ihr unter: http://festival-natur.de/veranstaltung/performance-lokal-global/. Seid dabei!